Magischer Harz
In die Ferne trieb es mich an einem der ersten Samstage im September.
Mit dem frühen Herbst und der ersten kühlen Luft beginnt auch die magische Jahreszeit, in der der Filz zwischen Wachbewusstsein und Traumwelt dünner wird.
Sieben kräftige Burschen auf dem Weg in die Berge. Dabei stieß ich erstmals in meinem Leben auf einen ganzen Strauß von Fliegenpilzen. Man sagt, dieser sei oft begleitet vom Pantherpilz, über den man recht wenig weiß. Genau so war es.
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Wo die Zeit stehen blieb
Los gingen wir von St. Andreasberg ins märchenhafte Mittelgebirge, der niedersächsische Teil des Harzes. Das Dorf, so erfuhr ich, hatte einst 5000 Einwohner, heute sind es noch 1500.
So schön der Ort mit seinen steilen Straßen und seinen Hexenhäusern auch ist, so trist stellt man es sich hier ehrlicherweise auch vor, als Jugendlicher oder jüngerer Erwachsener hier zu leben – tote Hose, bis auf die Hotels, Ferienhäuser und Restaurants (Pizzeria Capri z.B.).
Wer hier 18 wird, zieht vermutlich weg, nach Göttingen, Braunschweig oder auch Halle und Erfurt. Für Kommunalgeschichtler: Der Ort war früher eine eigenständige Gemeinde, heute ist er ein Ortsteil der Gemeinde Braunlage, diese wiederum gehört zum Landkreis Goslar.
Jedenfalls waren wir nach Wochen des Großstadtjungles und Babylons reif für die Natur. Das Wetter perfekt, sonnig und mild. Im Geiste verbunden und alle hatten Vorfreude und die Offenheit für eine Pilzerfahrung, manche als psychedelische Veteranen, manche zum ersten Mal.
Sleipnirs Maul
Zur Wintersonnenwende bzw. während der Wilden Jagd reitete Odin auf seinem achtbeinigen Pferd Sleipnir durch den Himmel. Wo Speichel bzw. schaumiger Geifer aus Sleipnirs Maul auf die Erde fielen, sollen später Fliegenpilze (Amanita muscaria) aus dem Boden sprießen. Daher wird gelegentlich eine symbolische Verbindung zwischen Sleipnir, Fliegenpilzen, Ekstase und schamanischen Vorstellungen hergestellt. Wir gingen querfeldein durch die weißen Bäume, passierten Moor, totes Holz, dichtes Gestrüpp. Schließlich erreichten wir eine Schutzhütte. Einige schliefen dort, einige kehrten bei Sonnenuntergang zurück zum Parkplatz.
Für alles war es eine intensive, verbindende Erfahrung. Das Wort „intensiv“ fiel immer wieder, ganz konkret in Zusammenhang mit der Wirkung der magischen Pilze. Aber auch wohlig, warm, friedlich. So ist das Psilocybin – es umarmt und ist wohlwollend.
Zum Abschied nahmen auch wir uns herzlich in den Arm.
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